Übersetzungsbeispiel
![]() |
Scor Réassurance. Jahresbericht 1998. |
VORWORT DES PRÄSIDENTEN DES VERWALTUNGSRATES
Das Wachstum in der Lebensversicherung und in der nicht-traditionellen Rückversicherung hat den von uns erwarteten Geschäftsrückgang in der Schadenversicherung kompensieren können. Dank eines guten Jahres im Kapitalanlagebereich stieg das konsolidierte Nettoergebnis um 5%.
Wirtschaftlich und finanziell entsprach das vergangene Jahr den relativ pessimistischen Vorhersagen, die wir Ende 1997 getroffen hatten.
Die Krise in Asien, die manche nur für einen einfachen Betriebsunfall hielten, hat sich verschärft, insbesondere in Japan, das von der Stagnation in die Rezession abgeglitten ist. Die Ankündigung von massiven Unterstützungsaktionen für das Banksystem dieses Landes und Liquiditätsspritzen, die das Defizit auf fast 10% des Brutto-Inlandprodukts anschwellen ließen und die mittelfristig nur durch höhere Steuern oder Inflation zu finanzieren sind, haben weder die Märkte noch die Verbraucher überzeugt. Die Senkung der Zinssätze auf nahezu Null hat das Gegenteil dessen bewirkt, was man sich davon erwartet hatte: Anstatt den Konsum und die Börse zu beleben, hat es die Besorgnis der Sparer und Rentner verstärkt und die wirtschaftliche Entwicklung gebremst. Allem Anschein nach ist die japanische Wirtschaft heute mit dem von Keynes beschriebenen Problem der Liquiditätsfalle konfrontiert.
In Korea stößt das umfangreiche, mutige Reformpaket - auch wenn erste Zeichen eines Wiederaufschwungs sichtbar sind - noch immer überwiegend auf den Widerstand der Wirtschaft, die grundlegenden Strukturreformen wenig aufgeschlossen gegenübersteht.
Mit Ausnahme von Thailand und Singapur ist es den südostasiatischen Ländern nicht gelungen, die Grundlagen für einen Wirtschaftsaufschwung in ihren Ländern zu legen und die für eine Belebung der Konjunktur im Jahre 1999 erforderlichen strukturellen Maßnahmen zu treffen.
China schließlich hat sich für die Beibehaltung der festen Parität seiner Währung zum US Dollar entschlossen und damit eine deutliche Verlangsamung seiner Exporte und seines Wirtschaftswachstums bewirkt. Die zur Rettung des Banksystems getroffenen Maßnahmen könnten sich als nicht ausreichend erweisen.
Ein klares Beispiel für die schwerwiegenden Probleme der Region ist Hongkong, das gezwungen war, von einer "offenen" auf eine staatlich gelenkte Wirtschaft überzugehen, bestimmt von de facto Wechselkurskontrollen und direkten Eingriffen der Regierung an der Börse und auf dem Immobilienmarkt.
Die wegen der Möglichkeit einer weltweiten Kettenreaktion auf die asiatische Krise zu Recht beunruhigten internationalen Institutionen sind den lateinamerikanischen Ländern zur Hilfe gekommen, insbesondere Brasilien, das 1998 durch massive vorbeugende Aktionen des IMF unterstützt wurde. Doch die überhöhte Kurzzeitverschuldung des Landes, die Auswirkungen der Deflation auf die Preise aller wichtigen Rohstoffe und die politische Unsicherheit haben den Erfolg dieser Maßnahmen illusorisch gemacht: Im Januar mußte der Real zunächst abgewertet und dann frei gefloatet werden, so daß er gegenüber dem US Dollar um mehr als 30% fiel. Die Probleme Brasiliens, dem größten Land Lateinamerikas und der dominierenden Wirtschaftsnation des Mercosur, werden mit Sicherheit negative Folgen für die gesamte Region haben.
In diesem Kontext weltweiter Depression wird nur die nordamerikanische Wirtschaft von einem Vertrauen beflügelt, das anscheinend durch nichts zu erschüttern ist. Heute, zu Beginn des Jahres 1999, ist die Börsenflaute des letzten Sommers schon wieder vergessen, der Konsum der Haushalte bleibt auf seinem historisch höchsten Stand, Arbeitslosigkeit gibt es fast nicht, und mit dem siebten aufeinanderfolgenden Jahr kontinuierlichen Wachstums stellen die Vereinigten Staaten einen neuen Nachkriegsrekord auf. Alles scheint also dort zum Besten zu stehen, und nur einige Pessimisten, zu denen auch wir uns zählen, hegen ernste Zweifel daran, daß sich das amerikanische „Wunder" noch lange fortsetzen wird. Denn der Inlandskonsum, der seit mehreren Jahren der wesentliche Faktor des Wirtschaftswachstums ist, verursacht ein Jahr für Jahr steigendes Außenhandelsdefizit, das dieses Jahr fast 300 Mrd. Dollar erreichen wird. Hinzu kommt das Phänomen der klassischen Börseninflation, das den Rentabilitätsrückgang der börsennotierten Unternehmen ignoriert und die durchschnittliche Kapitalisierung der Erträge erneut auf über 25 hochtreibt. Wenn zum Beispiel der Aktienkurs eines Starunternehmens des Internetsektors innerhalb eines Jahres um das Fünffache steigt, während seine Börsenkapitalisierung das Dreihundertfache des Ertrages und das Zwanzigfache des Umsatzes erreicht und schließlich der Tagesumsatz das Doppelte der ausgegebenen Aktien dieses Unternehmens erreicht, wäre es ein Understatement, diese Entwicklung nur als etwas überhitzt zu bezeichnen.
In diesem Zusammenhang erscheint uns die Geldpolitik der Federal Reserve Bank wenig überzeugend: Die dreimalige vorschnelle Senkung der kurzfristigen Zinssätze zur Verhinderung einer wenig wahrscheinlichen Liquiditätskrise hat vor allem eine erneute Aufblähung der Börsenwerte bewirkt, einige in Schwierigkeiten geratene Anleger gerettet und den Konsum der Haushalte im dritten Quartal des Jahres auf einen neuen Rekordstand hochgetrieben.
Für uns bedeutet dies, daß wir, wie schon im vergangenen Jahr, auch in Zukunft beim Management unserer Kapitalanlagen in Nordamerika mit größter Vorsicht vorgehen werden.
Für Europa war 1998 das Jahr, in dem der Euro konkrete Form annahm, und das unter besseren Bedingungen, als man hätte erwarten können: Wirtschaftliche und monetäre Konvergenz, Eingrenzung der Inflation und der Defizite der öffentlichen Haushalte, koordinierte Zinspolitik - alle Bedingungen waren erfüllt, damit die Geburt der zweiten Weltreservewährung unter denkbar günstigen Umständen vonstatten ging. Es bleibt noch vieles zu tun, doch selbst wenn sich zwischen den einzelnen Volkswirtschaften noch starke Kontraste abzeichnen - klare Zielvorstellungen in Frankreich und Spanien, Schwächen in Deutschland und Italien und schneller Verfall in Großbritannien, erscheint uns die Situation Europas für 1999 insgesamt positiv. Im Rahmen der uns vorgegebenen Erfordernisse der kongruenten Deckung, werden wir daher die Schwerpunkte für unsere Kapitalanlagen im laufenden Jahr im Euroland setzen.
Für die Erst- und Rückversicherung stand 1998, wie wir es vorhergesehen hatten, im Zeichen eines Ratenrückgangs, der für Industrie- und Transportrisiken sowie für die Deckung von Naturgefahren deutlich stärker ausgeprägt war als bei Personenrisiken. Das hat uns dazu veranlaßt, unsere Politik der vorsichtigen Risikoselektion fortzusetzen, wobei wir in der Schadenversicherung der Rentabilität den Vorzug vor Wachstum gegeben haben. Aus diesem Grund ist das Beitragsaufkommen in diesem Bereich im Berichtsjahr bei variablen Wechselkursen um 5,6% zurückgegangen.
Der allgemeine Ratenverfall ging mit einer deutlichen Erhöhung der Durchschnittsschäden in praktisch allen Sparten der Schadenversicherung einher. Die Schadenbelastungen durch Naturkatastrophen waren auf den nord- und mittelamerikanischen Märkten besonders, nämlich fünfmal so hoch wie 1997. Verantwortlich dafür war die Häufung von Schadenereignissen mittlerer Größe: der Eissturm in Kanada, die Wirbelstürme Georges und Mitch, Tornados im mittleren Westen, auf El Niño zurückzuführende Überschwemmungen usw. Verglichen mit den vorausgegangenen Geschäftsjahren war daher für uns die Ergebnissituation in der Schadenversicherung weniger ertragreich.
Die Intensivierung unserer Geschäftstätigkeit in der Lebensrückversicherung führte dagegen zu einer sehr zufriedenstellenden Beitragssteigerung von 21% bei variablen Wechselkursen und erbrachte gute technische Ergebnisse. Wir haben im Laufe des Berichtsjahres eine detaillierte Planung unseres strategischen Vorgehens in diesem Bereich erstellt, die uns in die Lage versetzt, uns auf die zukunftsträchtigsten Produkte und Märkte zu konzentrieren und unseren Kunden Dienstleistungen von noch höherer Qualität anzubieten.
Die internationale Finanzkrise hat nur geringe Auswirkungen auf die Kreditversicherung gehabt, so daß unsere Investitionen in dieser Sparte zu einem sehr zufriedenstellenden Wachstum geführt haben.
1998 war auch ein ausgezeichnetes Jahr für unsere in der nicht-traditionellen Rückversicherung tätigen Tochtergesellschaft CRP in Bermuda; die in erster Linie aus dem amerikanischen Markt kommende Nachfrage war anhaltend stark, und die technischen Ergebnisse sind zufriedenstellend.
Die Vertragserneuerungen haben unsere Prognose eines Zyklustiefs in der Rückversicherung für die Jahre 1999-2000 bestätigt, wobei noch die Unsicherheit des Millenium-Problems hinzukommt. In einigen Sparten herrscht sowohl in der Erst- als auch in der Rückversicherung ein noch anarchischerer Wettbewerb als in 1998. Was uns betrifft, haben wir uns nicht an dem zum Teil irrationalen Prämienwettlauf in der Schadenversicherung beteiligt. In einigen Bereichen haben wir Anteilsreduzierungen vorgenommen, insbesondere im Industriegeschäft, wo die ausschließlich vom Preiswettbewerb bestimmten Prämiensätze nicht mehr mit versicherungstechnisch gesunden Prinzipien vereinbar erschienen.
Diese strikte und von Verantwortungsbewußtsein getragene Zeichnungspolitik wird zu einem kurzfristigen Rückgang unseres Beitragsvolumens im Jahre 1999 führen, es uns aber gestatten, die nächste Zykluswende mit voller Kraft auszunutzen, um unseren Kunden die Kapazitäten und die technische Unterstützung bieten zu können, die sie dann benötigen.
1998 haben wir unsere strategischen Ziele in drei Hauptrichtungen weiterverfolgt:
Einführung neuer Informatiksysteme und -technologien mit dem Ziel, unsere Zeichnungskompetenz zu verbessern und unsere Betriebskosten zu optimieren: Mit unserem Intranet-System, der direkten Internet-Verbindung zu unseren Zedenten sowie der Nutzung des E-Commerce mit unseren Kunden und Maklern geben uns schon jetzt einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung.
Entwicklung
von neuen Produkten und Märkten, die vor zehn Jahren noch nicht existierten
und mit denen wir heute etwa ein Viertel unseres Umsatzes erzielen.
In Vorbereitung auf langfristig gesehen interessante Marktentwicklungen
haben wir in Moskau ein neues Büro eröffnet sowie die Genehmigung zur
Eröffnung einer Repräsentanz in Peking beantragt. Und schließlich haben
wir unsere Untersuchungen vorangetrieben über die Möglichkeiten, die
Techniken der Rückversicherung auf andere Wirtschaftszweige zu übertragen.
Schulung unserer Mitarbeiter in neuen Techniken und Managementmethoden. Unsere Schulungsprogramme wurden 1998 ausgeweitet, um es allen Mitarbeitern zu ermöglichen, die neuen elektronischen Technologien optimal zu nutzen und unsere Zedenten durch neue Kommunikationsformen noch besser zu bedienen.
Im Laufe eines von unvorhersehbaren Schwankungen gezeichneten Börsen- und Finanzjahres hat sich der Kurs der SCOR Aktie, der bereits 1997 stark gestiegen war, weiterhin gut entwickelt und ist nochmals gestiegen. Unsere Aktie, die Bestandteil des Index der 120 wichtigsten Unternehmen an der französischen Börse ist, wurde in den europäischen BLOOMBERG 500 Index aufgenommen - eine Bestätigung des Interesses, das internationale Anleger unserer Aktie entgegenbringen.
Nach der vollständigen Umwandlung unserer Wandelschuldverschreibung von 1994 in Aktien zu Anfang des neuen Geschäftsjahres waren wir unter Nutzung der neuen Vorschriften zum Rückkauf und zur Löschung eigener Aktien in der Lage, unser Eigenkapital auch im Interesse unserer Aktionäre unseren Erfordernissen anzupassen. Entsprechend den Beschlüssen unserer Hauptversammlung vom 11. Mai 1998 haben wir somit im Laufe des Berichtsjahrs 4% der Aktien unseres Gesellschaftskapitals (nach Wahrnehmung von Kaufoptionen) zurückgekauft und gelöscht.
Dank der guten Entwicklung unseres Geschäfts in der Rückversicherung von Personenrisiken (Leben) und in der nicht-traditionellen Rückversicherung ist unser Beitragsvolumen wechselkursbereinigt gegenüber 1997 um 4,5% gestiegen.
Das konsolidierte Nettoergebnis der Gruppe stieg um 5% auf 148 Mio. Euro (970 Mio. FRF) nach Steuern. Die durchschnittliche Eigenkapitalrentabilität belief sich entsprechend unseren Zielsetzungen auf 11,8%; bezogen auf das Eigenkapital zu Ende des Jahres erreichte sie 12%, ein Ansteig um einen Punkt gegenüber 1997.
Der Verwaltungsrat hat den Konzernjahresüberschuß nach Steuern mit 148 Mio. Euro (970 Mio. FRF) festgestellt und empfiehlt eine Erhöhung der Dividende um 12% auf 1,70 Euro (11,15 FRF) pro Aktie vor Steuergutschrift. Diese Empfehlung entspricht unserer Politik eines hohen Ausschüttungsanteils am Konzerngewinn (40%) und einer kontinuierlichen Steigerung der Dividende.
Der Verwaltungsrat und voran sein Präsident zeigen sich über das wiederum gute Geschäftsergebnis der Gruppe in 1998 erfreut. Es wurde durch die hervorragenden Leistungen der SCOR Teams in der ganzen Welt ermöglicht, wofür wir ihnen an dieser Stelle unseren herzlichen Dank aussprechen möchten.
Jacques Blondeau